KUKUK
Kunst Kultur Kommunikation

Digitale Medien in der Kunst- und Kulturvermittlung - Zum derzeitigen Stand des E-Learning-Einsatzes in Museen und Archiven

Marion R. Gruber


Computergestützte Besucherinformationssysteme

Im deutschsprachigen Raum bieten nur relativ wenige Museen ein computergestütztes Besucherinformationssystem an (StMB & IFM 2002 und KUKUK-Umfrage-Ergebnisse 2006). Derartige Systeme sind in Archiven bis auf CD-Roms oder DVDs keine bekannt. Kennzeichnend für computergestützte Informationssysteme ist die Einbindung des Computers. Dies erfolgt meist in Verbindung mit einem Monitor, einem Touch-Screen, einer Tastatur, einem Trackball oder einem Datenhandschuh (Schulze 2001). Es können aber auch Peripheriegeräte wie ein Personal Digital Assistant (PDA) Teil des Informationssystems sein.

Bei den Museen zeigt sich, je größer ein Museum ist, desto eher setzt es computergestützte Besucherinformationssysteme ein. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Erstellung solcher Informationssysteme hohe Kosten verursacht (Billmann 2004; Noschka-Roos 1995; Schulze 2001). Zudem rechnen sich diese Anschaffungen erst ab einer bestimmten Museumsgröße, der Anzahl von ausgestellten Objekten und der flächenmäßigen Größe der Ausstellungsräume (StMB & IFM 2002). Computergestützte Besucherinformationssysteme bieten überwiegend eine Museumsübersicht mit Lageplan, Veranstaltungskalender, Ausstellungsprogramm oder Informationen zur laufenden Ausstellung wie beispielsweíse Kontextinformationen zu Sonderausstellungen.

Im Folgenden wird der Einsatz von Multimediaterminals, CD-Rom und DVD, Personal Digital Assistants und 3D-Simulationen beschreiben und mit Beispielen belegt.


Multimediaterminals

Unter dem Begriff Multimediaterminals, auch EDV-gestützte Informationssysteme genannt, werden verschiedene Systeme zusammengefasst. Diese sind meist in Museen zu finden und zeichnen sich durch ihre Multimedialität aus. Das bedeutet eine Verknüpfung von Ton, Bild, bewegtem Bild und/oder Text. In den Ausstellungen sind interaktive Quiz-Spiele für Kinder und Erwachsene ebenso vertreten wie Informationsterminals z. B. für 2D- und 3D-Visualisierungen von Gebäuden, Ausgrabungsstätten etc. Die Modelle und Formen sind genauso unterschiedlich wie ihre Funktionen und ihre Bedienung.

Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud
Im Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud wird seit 2001 ein EDV-gestütztes Informationssystem eingesetzt. Im Gegensatz zu den Institutionen, die in separaten Räumen derartige Informationssysteme aufgestellt haben, sind die Stationen hier im Ausstellungsraum platziert. Der Besucher kann Vorort Informationen zu den präsentierten Kunstwerken erhalten.

Das Informationssystem zeigt sich als Sitzmöbel mit integriertem Bildschirm und lädt zum Platznehmen ein. Dieses System ist hör-orientiert und bietet zusätzlich Bildinformationen. Der über Kopfhörer wahrzunehmende Ton wird durch Bildschirmabbildungen ergänzt, auf welche im gehörten Text hingewiesen wird. Das Informationssystem hat weder einen Touchscreen noch eine Maus. Die Benutzerführung funktioniert mit vier Tasten, die um den Bildschirm angeordnet sind. (Nagel 2001) Das Informationsangebot wird laufend erweitert. Erst im September 2006 wurde die Abteilung des 19. Jahrhunderts nach einem Umbau wieder eröffnet und ebenfalls mit diesem interaktiven computergestützten Informationssystem ausgestattet.


CD-Rom und DVD

In den 1990er Jahren ließen die meisten Museen eine CD-Rom erstellen, die im Museumsshop zum Kauf angeboten wurde. Eine CD-Rom wird auch von Archiven verkauft, wie beispielsweise die CD-Rom zur Stadtgeschichte Innsbruck vom Stadtarchiv Innsbruck. Da Archive nicht frei zugänglich sind und dessen Räumlichkeiten nur durch spezielle Archivführungen besucht werden können, machen Audioguides oder Personal Digital Assistants wenig Sinn.

Archive und Museen wollen durch CD-Roms - heute meist DVDs - auch außerhalb der Institution in der Kunst- und Kulturvermittlung aktiv sein. Sie wollen sich und die eigenen Sammlungen oder Archivbestände präsentieren. Die CD-Rom/DVD ermöglicht das Betrachten und Erforschen zuhause durch Computer oder DVD-Player. Interaktive Inhalte und Informationen können somit über die institutionellen Grenzen hinaus entdeckt und konsumiert werden. Die Erstellungskosten für eine CD-Rom oder DVD sind relativ hoch (Compania Media 1998) und der Aufwand ist im Gegensatz zu einem Internet-Angebot größer (StMB & IFM 2002). Die inhaltlichen Schwerpunkte der CD-Rom oder DVD sind weit gefächert. Es wurde jedoch festgestellt, dass sie selten Spiele zum Inhalt haben. Der geringe Anteil an Spiele-CDs in Museen verwundert, da gerade sie das junge Publikum ansprechen. (StMB & IFM 2002)


Personal Digital Assistant im Ausstellungsraum

Eine Weiterführung des traditionellen Audioguides in der Ausstellung ist die Verwendung des Personal Digital Assistant (PDA) als elektronischer Führer durch das Museum. Im Gegensatz zu den unimedialen Audioguides können den Besuchern multimediale Informationen in der Ausstellung angeboten werden. Nachfolgend werden die Beispiele CoolMuseum, SCALEX und NOUS vorgestellt.

CoolMuseum
CoolMuseum ist ein interaktiver Museumsführer und wurde in einem Gemeinschaftsprojekt zweier Firmen entwickelt. Mobile Kleinstcomputer, wie der PDA iPaq von Compaq, registrieren durch einen am Ausstellungsstück angebrachten Sender automatisch, vor welchem Kunstwerk der Besucher gerade steht. Dieser kann dann aus den Angeboten multimedialer Informationen auswählen.

Der Aufbau des Systems besteht aus verschiedenen Geräten: PDA, Funklan Basis, Drucker und Datenserver. Die Übertragung der digitalen Daten erfolgt über eine Infrarot-Funkbasis, die an einen Server und an einen Drucker angeschlossen ist. Der Besucher kann auf Wunsch seine Tour selbst zusammenstellen und eine Broschüre für zuhause ausdrucken (Analog zu MyCollection im Kunsthistorischen Museum Wien). Die Daten werden zentral auf dem Server gespeichert, wo Änderungen vorgenommen und automatisch an alle Geräte verteilt werden. Die Daten können auch für die eigene Webseite freigegeben werden. (Holnburger o. J.)

SCALEX
SCALEX ist ein F&E-Projekt und wurde vom Studiengang Informations-Design der Fachhochschule Joanneum zusammen mit elf Partnern aus fünf Staaten durchgeführt. Dieses Projekt wurde im 5. Rahmenprogramm der Europäischen Kommission im Bereich Information Society Technologies gefördert. SCALEX ist eine Toolbox für Museen und Firmen, die sich mit der Erstellung digitaler Inhalte befassen und stellt eine Ergänzung zur Ausstellung dar. Digitale Inhalte wie Texte, Bilder, Videos oder Audiostücke werden mit den Ausstellungsstücken verknüpft. Die Präsentation der Inhalte wird an die Interessen der einzelnen Besucher gekoppelt. Mit Hilfe des Personal Digital Assistent werden zu den realen Ausstellungsobjekten Zusatzinformationen angeboten. (Martin 2004; Trummer & Martin 2004)

NOUS Guide
Der NOUS Guide versucht komplexe Inhalte einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Dabei werden auditive, filmische und interaktive Inhalte für den Besucher didaktisch aufbereitet. Dieser wählt bei seinem Rundgang durch die Ausstellung nur jene Informationen aus, die ihn interessieren. Der NOUS Guide beruht wie SCALEX auf der Technologie des PDA und funktioniert als interaktive Informationsquelle über Relikte, Objekte und Kunstwerke. Dieser beinhaltet neben Feedbackelementen, Quizsituationen, Tracking des Besucherverhaltens ebenso die Funktion zur Übermittlung von E-Mail-Adressen oder das Bereitstellen der Informationen auf einer Webseite, um zuhause nachzulesen. (Stickelberger 2006)

2004 wurde der NOUS Guide in Kooperation mit einem Ausstellungshaus entwickelt. Er wird im BA-CA Kunstforum Wien, im Literaturhaus Wien, in der Kunsthalle Wien und seit Sommer 2006 im Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig Wien eingesetzt.


3D-Simulation

Die von der Schönbrunner Schlossgesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Linzer Ars Electronica Futurelab erstellte 3D-Simulation, gewährt dem Besucher in das so genannte Millionenzimmer einen täuschend echten Einblick. "Die Simulation beruht", so Horst Hörtner vom Futurelab, "auf neuesten Errungenschaften aus dem Bereich der Echtzeit-Computergrafik" (Tzschentke 2005, S. 22). Mit 3D-Brillen bestückt stehen die Besucher vor einer speziellen Leinwand und bewegen sich schwebend im virtuellen Raum - dem Millionenzimmer. Künftig sollen diese virtuellen Raummodelle auf Tourismusmessen und Ausstellungen oder zur digitalen Konservierung unwiederbringlicher Kulturgüter eingesetzt werden. (Tzschentke 2005; Ars Electronica 2005)

Das Ars Electronica Futurelab hatte mit einer begehbaren Visualisierung bereits 1999 den Neubau des Lentos in Linz vorweggenommen. "Die CAVE-Applikation veranschaulicht das Konzept des Züricher Architektenteams Weber & Hofer AG anhand eines maßstabgetreuen Modells der Stahlbeton-Konstruktion, eingebettet in ihre natürliche Umgebung." (Ars Electronica 1999) Der Cave ist ein 3 x 3 x 3 Meter großer Würfel. Er ist an einer Seite offen und dessen Wände fungieren als Projektionsflächen. Mehrere Personen können gleichzeitig in diesem Raum die gezeigten virtuellen Welten erleben. Bestückt mit 3D-Brillen und Joystick bewegen sich die Benutzer in den gezeigten Bildern. (Ars Electronica 2002)
Weiter zu: Internetpräsentationen

Literatur

Ars Electronica 1999:
Ars Electronica. (1999). Visualisierung Lentos (Applikation). Webseite (http://www.aec.at/de/center/project.asp?iProjectID=11873), Zugriff am: 30.6.2007.

Ars Electronica 2002:
Ars Electronica. (2002, Dezember). Cave. Webseite (http://www.aec.at/de/futurelab/projects_sub.asp?iProjectID=11197), Zugriff am: 30.6.2007.

Ars Electronica 2005:
Ars Electronica. (2005, Juli). Virtuelles Millionenzimmer. Webseite (http://www.aec.at/de/futurelab/projects_sub.asp?iProjectID=13101), Zugriff am: 30.6.2007.

Billmann 2004:
Billmann, H.-J. (2004). Multimedia in Museen. Neue Formen der Präsentation - neue Aufgaben der Museumspädagogik (2. aktualisierte Aufl.; M. Würdemann, Hrsg.). Bremen: Engram.

Compania Media 1998:
Compania Media (Hrsg.). (1998). Neue Medien in Museen und Ausstellungen. Einsatz - Beratung - Produktion. Ein Praxisbuch. Bielefeld: Transcript.

Holnburger o. J.:
Holnburger, G. (o. J.). Mit coolMuseum von Bild zu Bild. "coolMuseum" macht Museumsbesuch zum multimedialen Erlebnis. Webseite (http://www.coolit.ch/pressemitteilung.asp), Zugriff am: 30.6.2007.

KUKUK-Umfrage-Ergebnisse 2006:
Gruber, M. R., Walter, K. & Zeindl, G. (2006). KUKUK - Kunst, Kultur, Kommunikation - Auswertung der Online-Umfrage. Innsbruck.

Martin 2004:
Martin, J. (2004). SCALEX Presseaussendung. Scalable Exhibition Server. Webseite (http://www.scalex.info/SLX_Presseaussendung.pdf), Zugriff am: 30.6.2007.

Nagel 2001:
Nagel, T. (2001, Oktober). Startschuss. Webseite (http://www.museenkoeln.de/homepage/default.asp?s=168&bdw=2001_41), Zugriff am: 30.6.2007.

Noschka-Roos 1995:
Noschka-Roos, A. (1995). Der Einsatz von Bildschirminformationssystemen im Museum. Eine empirische Untersuchung im Deutschen Museum. In K. Fast (Hrsg.), Handbuch der museumspädagogischen Ansätze (S. 375-390). Opladen: Leske + Budrich.

Rath 1998:
Rath, G. (1998). Museen für BesucherInnen. Eine Studie. Wien: WUV-Universitäts-Verlag.

Schulze 2001:
Schulze, C. (2001). Multimedia in Museen. Standpunkte und Perspektiven interaktiver digitaler Systeme im Ausstellungsbereich. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag.

StMB & IFM 2002:
Staatliche Museen zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz & Institut für Museumskunde (Hrsg.). (2002). Museumskunde (Hrsg.). (2002). Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2001. Berlin. (Heft 55).

Stickelberger 2006:
Stickelberger, A. (2006). Nous. Know It All. Wien: Nous Wissensmanagement GmbH.

Trummer & Martin 2004:
Trummer, C. und Martin, J. (2004). Scalex. Public Version of Final Report. Deliverable D 1.2.4. Webseite (http://www.scalex.info/SLX_Final_Public_Report.pdf), Zugriff am: 30.6.2007.

Tzschentke 2005:
Tzschentke, K. (2005). Mit virtuellen Flügeln durch imperiale Gemäuer schweben. Der Standard (Mittwoch, 6. Juli 2005), S. 22.


Inhalt

Vorwort

Akustische Führungssysteme im Museum
Audioguide
Audiovisuelles Environment
iPod und Podcast

Computergestützte Besucherinformationssysteme
Multimediaterminals
CD-Rom und DVD
Personal Digital Assistant im Ausstellungsraum
3D-Simulation

Internetpräsentationen
Virtuelles Museum
Virtuelles Archiv
E-Learning-Angebote im Internet

Schlussbemerkungen


Zitierhinweis

Gruber, Marion R. (2007). Digitale Medien in der Kunst- und Kulturvermittlung - Zum derzeitigen Stand des E-Learning-Einsatzes in Museen und Archiven. Computergestützte Besucherinformationssysteme. Webseite (http://kukuk.lo-f.at/gruber-diss_beispiele_computergestuetzte_besucherinfosys.html), zuletzt geändert am: 28.3.2009.
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